Wir sind alle verantwortlich

 Ein bisheriges Verständnis der Weitergabe des Glaubens ging von einem „festen“ Kanon an Glaubenssätzen und Verhaltensweisen aus, der den Menschen zu nahezubringen, zu predigen war.
 Verkündigung kann anders gedacht werden als Art und Weise der eigenen Lebensführung und der offenen Rede, die Anfragen auslösen und Anknüpfung für Weitergehendes ergeben kann. Es geht darum, die Botschaft für sich zu entdecken und anzunehmen und zu versuchen das eigene Leben damit in Deckung zu bringen bzw. immer wieder anzugleichen.
 Dies betrifft auch die Ausgestaltung der Dienst und Ämter der verfassten Kirche. Unter diesem Gesichtspunkt eines anbietenden Christseins, müssen die Leitungsämter neu gedacht werden. Vieles ist historisch gewachsen, geprägt und veränderbar (z.B. genannt: Aufgabenbereiche des Bischofamtes, finanzielle Ausstattung in verschiedenen Ländern/Ortskirchen).
 Grundgedanke: Strukturen müssen den Raum geben und lassen für „Aktionen von unten“, das meint die gesellschafts- und gegenwartsorientierte Christusorientierung, Umsetzung der Botschaft Jesu von Einzelnen/Gruppen/Gemeinden.
 Es ist die Vielfalt des Christlichen stärker in den Blick zunehmen. Wünschenswert wäre ein Prozess des versöhnten Miteinanders: der Gleichzeitigkeit gesellschaftlicher, kultureller, religiöser, theologischer Unterschiede (Amazonas-Synode, Gemeindeleitung, viri probati, Öffnung der Dienste/Ämter für alle Geschlechter, Zölibat, sexuelle Orientierung)
 Es besteht die Spannung zwischen der universalen römisch-katholischen Kirche, dem universalen Kirchenrecht, und der zu lebenden und schon gelebten Vielfalt des Christlichen in den einzelnen Ausgestaltungen (in West-/Europa, Nordamerika, Australien – dann Afrika, Indien, Lateinamerika).
Praktische Erprobungsfelder dazu: Stellung der Frau – Öffnung der Ämter, aber auch WortGottesFeiern durch die Gemeinde mit und ohne Kommunionfeier)
 Betont wird ein Ansatz „von unten“: Die vom Individuum angenommene, gelebte Botschaft. O-Ton: „Ich lebe mein Christentum, die Struktur ist erst mal egal“. Diese Haltung ist förderlich. Losgelöste Strukturdebatten hemmen. In diese Haltung müssen Gläubige hineinwachsen, aus einer letztlichen Erwartungshaltung an das Amt hinaus.
 Aber es besteht auch die Spannung: Strukturen überformen und beeinflussen positiv oder eben auch negativ jede persönlich glaubhafte Ausgestaltung des Christlichen: Auf die eigene Person hin und gegenüber dem gesellschaftlichen Umfeld.